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Die „St. Lambertus – Männer – Schützenbruderschaft zu Kaldenkirchen
 
 
„Im Jahre 1597 wurde hier in Kaldenkirchen auf Befehl des Herzogs Johann Wilhelm I. von Jülich, Kleve und Berg vom 7. Februar 1597, wie auch in den übrigen Ortschaften des Amtes Brüggen ein Schützencorps errichtet, um der großen Unsicherheit des Landes zu steuern. Diese Schützencorps, ob schon weltlich, nahm gleich den Hl. Lambertus zum Patron und stellte sich als Bruderschaft auch in den Dienst der Kirche. Indem es die hergebrachten Prozessionen verherrlichte und beschützte und früher an gewissen Tagen zur Verherrlichung des Gottesdienstes mit beitrug.

Über die Schützengilden im allgemeinen, möchte ich hier einige Bemerkungen vorausgehen lassen. Die Entstehung der Schützenvereine reicht bis in die älteste Vorzeit der Städte zurück. Bekanntlich waren die waffenfähigen Bürger befestigter Orte verpflichtet, sich gegen etwaige feindliche Angriffe selbst zu verteidigen und außerdem bei einem Kriege dem Landesherren Heeresfolge zu leisten. Die Wehrpflicht der Stadtbewohner rief das Bedürfnis hervor, sich mit den Waffen zu üben und die Formen eines geregelten Kriegsdienstes sich anzueignen. Wie der Adel auf den Turnieren sich in den Waffen ausbildete, so bereiteten sich die Bürger auf den Schießplätzen der Schützengesellschaften für den Kriegsdienst vor. Diese Übungen nahmen mit der Ausbildung des Städtewesens eine immer größere Verbreitung an und fanden vielfach auch auf dem Lande, in den Dörfern und Bauernschaften Eingang.

Erst mit der Veränderung des Kriegswesens und dem allmählichen Aufkommen der stehenden Heere verlor sich der ursprüngliche Zweck der Schützengesellschaften, die zwar an fast allen Orten des Niederrheins bis zur Gegenwart fortbestehen. Jedoch nicht mehr als Genossenschaften zu vorzugsweise kriegerischen Übungen, sondern vielmehr als Bruderschaften und Vereine. Zur Verherrlichung von Prozessionen und kirchlichen Festen und zu geselligen Vergnügungen. In den südlichen Niederlanden lässt sich das bestehen vieler Schützenbruderschaften seit dem Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts nachweisen, während dieselben in den nördlichen Niederlanden erst im 14. Jahrhundert vorkommen. Den Schützenbruderschaften begegnet man in der Regel unter dem Namen „Schuttereien“ und ihre Mitglieder unter der Benennung „Schutten“. Im Gelderland bezeichneten sich diese Schützen ursprünglich nach ihrem Alter, späterhin nahmen sie gewöhnlich den Namen eines Schutzheiligen, z.B. den des hl. Sebastian, des hl. Lambertus usw. an. Die Stadt Venlo hatte im Jahre 1384 vier verschiedene Schützenvereine, die sich unter der Bezeichnung „alte, junge, allerjüngste und mittelste“ Schützen benannt finden. Im Jahre 1425 werden dort die „St. Joris“ (Georgs-), 1441 die „Hoever“ (d.h. von den Höfen), 1462 die „alten, jungen St. Georgs- und St. Antoniusschützen erwähnt.

Sowohl auf ihren Kriegszügen als auch bei festlichen Gelegenheiten erschienen die Schützen gewöhnlich in besonderen Uniformen. Die innere Organisation der Schützengilde war ganz nach militärischen Grundsätzen eingerichtet. Zu den Übungen und Festlichkeiten der Schützenbruderschaften gehörte früher und auch heute noch das Vogelschießen. Man schoss überall nach einem auf einer Stange („Schutroy“) befestigten hölzernen Vogel. Wer das Glück hatte, den besten Schuss zu tun und den Vogel von der Stange zu schießen, wurde feierlich zum „König“ ausgerufen. Man schmückte ihn mit dem „Silber“ der Gilde, das aus vielen silbernen Platten bestand, welche vermittelst einer Kette so aneinander befestigt waren, dass ein Teil derselben auf den Rücken und der andere Teil auf der Brust, oft bis zur Erde reichen, herunterhing. Außerdem war an den Platten ein kleiner silberner, mit einer Krone versehener Vogel befestigt, den der König auf der Brust trug. Die Platten bestanden aus Geschenken der verschiedenen Schützenkönige, von denen jeder der Gilde oder Bruderschaft einen verehren musste. Diesen oft sehr wertvollen Schmuck trug der König bei festlichen Gelegenheiten. Diese Gebräuche sind auch heute noch üblich; auch das Geschenk der Platte seitens des Königs und das Tragen des Silbers ist an den meisten Orten üblich, wo dasselbe noch vorhanden. Um nun speziell auf unsere St. Lambertus – Bruderschaft zu Kaldenkirchen zurückzukommen, muss bemerkt werden, das genaue urkundlich verbürgte Nachrichten über die Zeit der Gründung fehlen; sicher ist jedoch das die Bruderschaft im Jahre 1597 schon bestand und noch wahrscheinlicher, das das eigentliche Gründungsjahr noch ca. 150 bis 200 Jahre weiter zurück liegt. Ich glaube in der Annahme nicht zu irren, das wie an vielen anderen Orten des Niederrheins, so auch in Kaldenkirchen, bereits um das Jahr 1450 eine Schützengilde oder Bruderschaft bestand, da ebenfalls um dasselbe Jahr in Leuth eine solche vorhanden war.

Alle diese kirchlichen Schützenbruderschaften mussten aber währen der unheilvollen niederländischen Kriege (1577-1588) eingehen. Nach Eintritt besserer Zeiten, und zwar je nach den einzelnen Umständen, Orten und Städten bzw. Flecken verschieben, traten dieselben wieder ins Leben und führen nunmehr dieses letztere Datum als Stiftungs- und Gründungsjahr fort; so die „St. Sebastianus – Junggesellen – Bruderschaft“ zu Hinsbeck das Jahr 1610, die „St. Antonius – Männer – Bruderschaft“ zu Ribbrocker – Wachtendonk, welche Urkunde vom Jahre 1592 hat, führt als zweits Gründungsjahr auf dem Vogel 1609 auf dem Vogel des Silbers. Die Bruderschaft „Bruderschaft der Ackerer“, auch die „Bruderschaft U.L. Frau vom Sande“ zu Venlo, welche 1473 schon genannt ist und eine der ersten neu wiedererrichtet war, hat die Pergament – Urkunde ihrer erneuten Gründung vom 1.Juli 1594. Ähnliches scheint mit der „St. Johannes – Bruderschaft“ zu Bracht der Fall zu sein, die schon 1521 genannt wird und 1610 bis 1613 wieder im Flor stand. Die noch bestehende „St. Johannes – Junggesellen – Bruderschaft“ zu Straelen wurde 1591 wieder neu gegründet.

Was nun unsere Kaldenkirchener Bruderschaft betrifft, nehme ich als sicher an, das dieselbe 1577 schon lange bestanden, aber das Schicksal der anderen Bruderschaften auch sie betroffen haben wird. Da in den meisten Orten des jülich´schen Amtes Brüggen diese Schützengilden aber 1597 noch nicht wieder errichtet waren, so befahl der Herzog Johann Wilhelm deren Wiedererrichtung und führt somit die jetzige, damals wieder neu errichtete Bruderschaft (wie auch diejenigen der anderer Orte) ebenfalls das Jahr ihrer Wiedererrichtung 1597 als Gründungsjahr, obwohl dasselbe das Datum ihrer zweiten Gründung (nach gewaltsamer Vernichtung der ersteren) ist. Den so genannten „Königsvogelschuss“ begeht dieselbe seit uralten Zeiten am Pfingstmontag, wenn die Zeitverhältnisse günstig und in dem betreffenden Jahre Vogelschiessen stattfindet. Im Jahre 1805 hatte diese Bruderschaft an Einkommen zwei Posten, jeder zu 35 Stüber Erbzins, einen Posten zu 36 Stüber Gartenpacht und einen und einen Posten zu 8 Stüber ohne Angabe. Nach altem Herkommen, heißt es bereits im Jahre 1805, erhält jeder der drei erstgenannten ein Maß Bier zu drei Stüber, so das die Bruderschaft einen Reichstaler und 45 Stüber übrig behält. Diese vier Posten wurden im Jahre 1832 noch bezahlt; wie dieselben später gelöst wurden, ist nicht bekannt.

1804 bestand das Königssilber der Bruderschaft aus 21 Platten, von denen die älteste vom Jahre 1745 stammte, sowie dem Vogel, Ketten, Krämpen und einem silberbeschlagenen Rietstock von dem Brigittenpater Bartholomäus Peemans, einem gebürtigen Kaldenkirchner, welcher im Jahre 1804, 52 Jahre alt, starb. 1811 zählte das Königssilber 28 Platten. Der silberne Vogel, der ein Geschenk des Herzogs sein soll, ist noch vorhanden, ebenfalls ein goldener Stern, ein silberner Halskragen vom Jahre 1809. Das reiche Königssilber, d.h. die silbernen Platten, die ehedem die alten Schützenkönige gestiftet und die seit dem Jahre 1811 noch sehr vermehrt waren, wurden in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts seitens der Bruderschaft dem damaligen Pfarrer Sticker überlassen, der den Erlös zur Ausschmückung der Pfarrkirche verwenden sollte, wie es auch geschehen ist.

Die ältesten Analen dieser Bruderschaft mit dem alten Statuten sind in diesem Jahrhundert verloren gegangen, jedoch gleich im Jahre 1805 sind neue angelegt worden, welche auch alle Platten des Königssilbers aufzählen und somit die Namen der früheren Könige enthalten; diese geben ebenfalls die Namen der Könige nach der Schenkung des genannten Silbers bis zur Gegenwart an. In der Pfarrkirche befand sich bis zum Abbruch derselben (1894) ein geschnitztes, bemaltes Bild ihres Patrons, des hl. Bischofs und Märtyrers Lambertus, vor welchem die Bruderschaft eine Kerze unterhielt. Nach Ausweis der Bruderschafts – Annalen waren die verstorbenen Pfarrer – Prior Pülgers (gest. 1877), Sticker (gest. 1858), Wellesen (gest. 1877) – Ehrenmitglieder dieser Bruderschaft, wie auch der jetzige Pfarrer, Herr Koopmann, seit dem Jahre 1893 Ehrenmitglied derselben ist.

Da die alte Fahne der Bruderschaft ihre hehren Zwecke zur Ausschmückung der Pfarrkirche, zur Verherrlichung der Prozessionen und der Aufzüge der Bruderschaft ihres Alters wegen nicht mehr entsprach, so wurde vor dem Königsvogelschiessen des Jahres 1891 eine neue angeschafft, welche am Nachmittage des Pfingstmontags desselben Jahres durch Herrn Pfarrer Koopmann in der Pfarrkirche die kirchliche Weihe erhielt.

Außer den im Jahre 1805 neu angelegten Annalen, in denen sich auch die damals neu aufgestellten und von dem französischen Maire Michaelis genehmigten Statuten befinden, besitzt die Bruderschaft noch zwei Annalen; in dem älteren befinden sich die 1842 neu aufgestellten, von dem Damaligen Pfarrer Sticker revidierten und genehmigten Statuten, sowie die Namen der Könige nach Schluss des Jahres 1805 angelegten Buches. An Grundeigentum besaß diese Bruderschaft 82 Ar, 88 Quadratmeter Land, welches dieselbe bis 1874 ungestört besaß, wo es seitens der Zivilgemeinde als Gemeindeeigentum annektiert wurde. 1895/96 sind jedoch seitens der Bruderschaft ernstliche Schritte zur Wiedererlangung ihres Eigentums geschehen, die hoffentlich von gewünschtem Erfolg sein werden.

Betreffs der Bruderschaften ist es zu bedauern, das an einigen Orten diese altehrwürdigen Einrichtungen, die, auf dem Boden der Kirche stehend und durch Begleitung des hochw. Gutes bei der Fronleichnams – Prozession sowie bei anderen Prozessionen in ihren Dienst sich stellend, die Pflege christlichen Brudersinnes, christlicher Sitte und Ordnung auf ihre Fahne geschrieben haben, in den letzten Dezennien vernachlässigt worden sind; glücklicherweise ist in der letzten Zeit an den meisten Orten ein Umschwung zum Besseren eingetreten. Es ist dieses dem Überhandnehmen einer Menge anderer Vereine und Gesellschaften zuzuschreiben, die vielleicht weniger ernste Ziele verfolgen wie die Bruderschaften und wiederum eine Menge von Festlichkeiten im Gefolge haben.
 
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